Bald Impfung gegen Borreliose?

Während es gegen die von Zecken übertragene FSME einen Impfschutz gibt, könnte es für Borreliose bis 2025 dauern.
Noch sind wir gegen die von Zecken übertragene Borreliose schutzlos. Das könnte sich 2025 ändern; durch einen Protein-Impfstoff. Foto: pixabay.com

Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt, dass auch in Sachsen die Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ganz offensichtlich wirkt. Denn im vergangenen Jahr wurden im Freistaat gerade einmal 41 Fälle dieser Erkrankung des zentralen Nervensystems registriert – und das, obwohl gerade Ostsachsen komplett als FSME-Risiko-Region eingestuft wurde. Allerdings übertragen Zecken eben nicht „nur“ FSME. Sondern tragen noch viel häufiger auch Borrelien in sich; die Auslöser der nicht ungefährlichen Lyme-Borreliose. Hier gab es sachsenweit 2022 immerhin über 1.800 Fälle an Borreliose, die durch Zeckenstiche übertragen wurden.

Borreliose – Risiko wird mit dem Alter immer höher

Borreliose ist dabei nicht zu unterschätzen, warnen Mediziner. Denn die Erkrankung befällt unter anderem die Haut, Gelenke und wie auch bei FSME das Nervensystem. Übrigens zeigt die Statistik noch einen wichtigen Fakt: Menschen ab 50 haben ein deutlich höheres Risiko, an Borreliose zu erkranken. Eine Impfung ist also auch hier unbedingt sinnvoll – wenn es sie nur gäbe … In den USA konnten sich die Menschen dabei bereits zwischenzeitlich sicher vor Lyme-Borreliose fühlen. Es gab eine Impfung; die allerdings gegen die von europäischen Zecken übertragene Variante nicht wirkte. Zudem wurde sie vor wenigen Jahren wieder vom Markt genommen – es gab kurz gesagt zu viele Nebenwirkungen.

Impfung gegen Borreliose hat schon zwei Hürden genommen

Ein Protein-Impfstoff soll künftig auch vor Borreliose nach Zeckenstichen schützen. Foto: pixabay.com

Nun könnte es bald für Europa eine Impfung gegen Borreliose geben. Eine, die bereits vielversprechende Tests hinter sich hat. Denn der französische Impfstoffhersteller Valneva und sein Partner aus den USA Pfizer haben jetzt die dritte Phase der klinischen Erprobung einer Impfung gegen die bakterielle Infektion gestartet. Das haben die beiden Firmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärt. Die dritte Phase ist die letzte in einem langen medizinischen Zulassungsverfahren. Wie zu lesen war, haben die beiden Unternehmen dafür gemeinsam rund 50 Kliniken und Arztpraxen unter anderem in Deutschland, den USA, Finnland, Schweden, Polen und Holland ausgewählt.

Studienteilnehmer bekommen Impfstoff oder Placebo

Die Studienteilnehmer bekommen nun entweder die „echte“ Impfung oder ein Placebo, also eine einfache und wirkungslose Kochsalzlösung. Auf diese Weise wird die Wirksamkeit überprüft und natürlich werden auch Nebenwirkungen geprüft. Insgesamt 6.000 Teilnehmer hat diese dritte Zulassungsstufe für die Borreliose-Impfung. Wie die Unternehmen mitteilen, bekommen sie je drei Dosen des Impfstoffkandidaten – mit dem Namen VLA15 – oder eben das besagte Placebo. Bei VLA15 handelt es sich um einen sogenannten Protein-Impfstoff. Heißt, er enthält im Labor hergestellte Proteinfragmente, die es dem Immunsystem ermöglichen, bei einer Infektion das Virus sofort zu erkennen und umgehend zu bekämpfen. So soll eine Erkrankung möglichst komplett verhindert werden – oder es sollen zumindest lediglich milde Symptome auftreten.

Protein-Impfstoff soll Durchbruch bringen

Der von Valneva und Pfizer entwickelte Impfstoff soll sich gegen mehrere Typen des Oberflächeneiweißes OspA der Bakterien richten und verhindern, dass die Borrelien bei einem Stich die Zecke überhaupt verlassen. Heißt, die Bakterien würden damit gar nicht erst in den menschlichen Körper gelangen.
Geplant ist, für den Impfstoff 2025 tatsächlich einen Zulassungsantrag einzureichen. Und die Hoffnung auf einen Erfolg ist groß, wie die bisherigen Studien zeigen.

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